Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer: Inseln fordern Änderungen

Foto (C): Eilert Voß

Am 03. November 2018 verkündete die Nationalparkverwaltung zusammen mit der „Ostfriesische Inseln GmbH“ eine Kooperationsvereinbarung, in der „gemeinsame Vorhaben“ in einem „gemeinsamen Arbeitsprogramm“ festgehalten werden sollen. Das für die Verlautbarungen der Nationalparkverwaltung schon typische Geschwurbel ist hier in ganzer Länge nachzulesen: Ostfriesische Inselfamilie wird Nationalpark-Partner. Es geht, „natürlich“, wieder einmal um die „nachhaltige Tourismusentwicklung“ in diesem „Weltnaturerbe“, das vor knapp zehn Jahren als neues Etikett auf den Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer aufgeklebt wurde, und ein bisschen auch um das „gemeinsame Auftreten für den Erhalt der biologischen Vielfalt“. Allerdings schließen sich der real existierende Massentourismus und „der Erhalt der biologischen Vielfalt“ eigentlich aus. Das lässt sich am Beispiel des dramatischen Rückgangs der strandbrütenden Vögel in diesem Großschutzgebiet deutlich nachweisen.

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Nationalpark-Salami: nun auch Schlafstrandkörbe legal?

Schlafstrandkorb, Insel Norderney, Aug. 2018 – Foto (C): privat

Was eigentlich gesetzlich verboten ist, könnte jetzt durch die Hintertür genehmigt werden: Schlafstrandkörbe am Strand im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer, in der Erholungszone. Klingt nach Peanuts, ist es aber nicht. Eigentlich ist es laut Nationalparkgesetz verboten, in der Erholungszone zu übernachten, sei es im Zelt oder in der touristischen Neuerfindung „Schlafstrandkorb“. Die Gründe sind einfach: Wer am Strand sein Zelt aufstellt oder vielleicht demnächst einen Schlafstrandkorb mietet, wird dort nicht nur schlafen wollen. Nächtens lautstark Party machen, Feuer anzünden und Müll hinterlassen werden die Folgen sein. Der urlaubende Spaßbürger bekommt eben etwas geboten von den Tourismusmachern und nun vielleicht auch von der Nationalparkverwaltung. Im Sommer 2018 wurden bereits zwei dieser Schlafstrandkörbe ohne Genehmigung am Strand von Norderney betrieben. Von etwaigen Sanktion gegen die Verantwortlichen ist hier nichts bekannt.

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MSC Zoe: Container über Bord

Treibender Container der „MSC Zoe“, 05. Jan. 2019 – Foto (C): Havariekommando

Derzeit sorgt das in Panama registrierte Containerschiff „MSC ZOE“ (Gesamtlänge x Größte Breite: 395.46m × 59.08m, Baujahr: 2015) für Schlagzeilen an der ostfriesischen Küste. Am 01. Januar 2019 verlor der Schiffsriese auf der Reise von Antwerpen nach Bremerhaven vor der niederländischen Küste in schwerer See mindestens 240 Container, die zum größten Teil in ca. 20 Meter Tiefe auf dem Meeresgrund liegen.

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Prosit Neujahr: Karbidschießen am Nationalpark Wattenmeer

Karbidschießen am Emsdeich bei Pogum/LK Leer, in unmittelbarer Nähe der strengsten Schutzzone des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer und des NSG „Unterems“, 31. Dez. 2018 – Foto: privat

Tatort: Emsdeich westlich von Pogum, Rheiderland, im Landkreis Leer. Das Foto wurde am 31. Dezember 2018  nicht weit von der strengsten Schutzzone (Salzwiesenbereich) des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer aufgenommen. Die im Bild sichtbare Außendeichsfläche gehört zum Vogelschutz- und FFH-Gebiet „Naturschutzgebiet Unterems“ und grenzt unmittelbar an den Nationalpark an, der ebenfalls europäisches Schutzgebiet ist. In der Zeit vom 1. Oktober bis 30. Juni dürfen laut Naturschutzverordnung „Unterems“ die außendeichs liegenden Teekabfuhrwege (Treibselabfuhr), die an das Naturschutzgebiet angrenzen, ohne vorherige Zustimmung der zuständigen Deich- und Naturschutzbehörde nicht betreten oder auf sonstige Weise aufgesucht werden. Die Karbidkanonen wurden genau auf diesem Weg abgestellt und abgefeuert. Diese Zeitgenossen mit den aufgesetzten Ohrschützern demonstrieren lautstark ihre Verbundenheit mit dem „Weltnaturerbe“ und Nationalpark Wattenmeer. Das verwendete „Geschütz“ besteht in diesem Fall aus einem Stahlrohr, in dessen Bodenteil ein Loch gebohrt wurde. Das Rohr wird mit Karbid und etwas Wasser gefüllt und dann sehr schnell mit dem Deckel verschlossen.

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Der Jahresendknaller: Gerichte lassen es auf Spiekeroog krachen

Bid: Pixabay

Statt Feuerwerk vom Wattenrat nun der Jahresendknaller 2018: Gastwirt Christian Kiesow von der Insel Spiekeroog (Restaurant „de Balken“, Ferienwohnungen „Haus Möwe“), den wir beim Wattenrat schon im letzten Jahr auf dem Schirm hatten, darf mit gerichtlichem Segen weiter zu Silvester böllern. Bereits 2017 hatte der Insulaner gegen das Böllerverbot der Gemeinde erfolgreich vor dem Verwaltungsgericht Oldenburg geklagt. Die Richter hielten damals die Lärmschutzsatzung der Gemeinde für das untaugliche Instrument der Regelung eines Böllerverbotes. Die Gemeinde überarbeitete anschließend ihre Ortssatzung sowie die Gefahrenabwehrverordnung und berief sich nun auf die Feuergefahr durch Böller und Raketen, mit denen die historischen und inseltypischen Holzveranden gefährdet seien. Gegen das erneute Böllerverbot und die kostenpflichtigen Ablehnungsbescheide der Kommune für die Antragsteller klagte Gastwirt Kiesow erneut vor dem VG Oldenburg, wieder mit Erfolg.

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Umgehungssstraße Bensersiel: Stadt Esens will das Land verklagen - Posse oder Krimi?

Gesperrter „Schwarzbau“ Umgehungsstraße Bensersiel/Stadt Esens, Foto (C): Manfred Knake

Stadt Esens/NDS: Stadt will Schadensersatzklage gegen das Land Niedersachsen einreichen: Amtshaftung durch das Land gefordert

Es gibt weitere Merkwürdigkeiten um die in einem EU-Vogelschutzgebiet illegal gebaute Umgehungsstraße in Bensersiel/Stadt Esens: Die Stadt Esens will das Land Niedersachsen auf Schadensersatz in Höhe von 4,1 Millionen Euro verklagen und fordert die „Amtshaftung“ vom Land – oder doch nicht? Jedenfalls fand am 10. Dezember eine öffentliche Sitzung des Esenser Stadtrates statt, auf der „einstimmig“ (laut Ostfriesen Zeitung online am 11. Dez. 2018) über die entsprechende Sitzungsvorlage abgestimmt wurde.

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Nachruf: Gerhard Hinze

Gerhard Hinze – Foto: Privat

Gerhard Hinze aus Schüttdorf im Landkreis Grafschaft Bentheim hat sich im Naturschutz einen Namen gemacht. Im Juli 2018 ist der gelernte Zahnarzt im Alter von 87 Jahren verstorben. Gerhard Hinze ist den Wattenrat-Mitarbeitern im Kampf gegen die unsägliche Wasservogeljagd in Schutzgebieten gut bekannt.

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Seehund verirrt sich ins Binnenland nach Holtgast

Foto: Polizei Esens

In Holtgast wurde am Freitag, 14. Dez. 2018, gegen 21:20 Uhr ein halbwüchsiger Seehund zunächst in einem Graben an der stark befahrenen Landesstraße gesehen, nicht weit vom Benser Tief. Das Benser Tief, ein künstlich angelegter breiter Wasserlauf, nimmt das Niederschlagwasser des Binnenlandes auf und mündet ca. 5km weiter nördlich in Bensersiel in das Wattenmeer. Dort wird das Wasser bei Bedarf in das Wattenmeer gesielt. Etwas später wurde das Tier in der nahegelegenen Nebenstraße im Holtgaster Tannenweg in einem Vorgarten gefunden und von den Bewohnern eines Einfamilienhauses mit Zaunelementen am Weiterrobben gehindert.

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Stallgeruch

In der Ausgabe der Zeitschrift „Nationalpark“ Nr. 4/2018 erschien der bemerkenswerte Beitrag von Wilhelm Breuer mit dem Titel „Stallgeruch oder woran es der Agrarpolitik fehlt“. Breuer ist Mitbegründer und Geschäftsführer der „Europäischen Gesellschaft zur Erhaltung“ (EGE) und als ständiger Mitarbeiter der Zeitschrift tätig. Die Zeitschrift Nationalpark wurde u.a. von Horst Stern gegründet, der sie einmal so beschrieb: „Besser kann man Papier aus dem Holz der Bäume nicht nutzen“.

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Windenergie: Abriss von "historischen" Anlagen in Norddeich geplant, SPD dagegen

Norddeich, Fledderweg: 5 Enercon-16, Aufnahmedatum Dezember 1987 – Foto (C): Eilert Voß, Archiv Wattenrat

Vor 31 Jahren, 1987, wurden in Norddeich die ersten Enercon-16-Anlagen errichtet. Sie haben die noch bescheidene Nennleistung von 55kW bei einem Rotordurchmesser von 16,2 m und einer Gesamthöhe von etwas über 30m, die Rotorgondeln stehen auf Gittermasten. Dieser kleine Windpark mit fünf Anlagen soll der erste in Niedersachsen gewesen sein. Nun sind die Anlagen abgängig, die Wirtschaftsbetriebe Norden (WBN) als Betreiber wollen die Anlagen abreißen lassen, die Standsicherheit müsse kostenaufwendig geprüft werden, der Erhalt der Anlagen rechne sich nicht. Dagegen macht die SPD im Norder Stadtrat mobil. In ihrem Antrag an die Norder Stadtverwaltung schlagen die Politiker vor, die „Wahrzeichen“ für die serienmäßige Entwicklung von Windenergieanlagen als „Industriedenkmal“ zu erhalten.

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